Psyche/Leben und die Angst davor

Was darf man tun, denken, aussprechen, fühlen, um nicht in sogenannte Störungsschubladen gepackt zu werden.

Ist ein Mensch in unserer Jetztzeit sauer, emotional, wütend oder ganz einfach verärgert äußert sich dies meist durch eine erhobene Stimme, ausladende Gesten oder unruhiges umherlaufen. Wir wippen mit den Beinen, knabbern Fingernägel, streichen uns immer wieder durch die Haare oder suchen uns Gegenstände, an welchen wir uns sozusagen festhalten.

Ein völlig normales menschliches Verhalten.

Aus solch emotionalen Empfindungen und Aktionen heraus, werden Menschen zu aggressiven, zu meidenden Artgenossen abgestempelt.

Einzelfall? Keineswegs. Die Empfindsamkeit gegenüber anderen verändert das Bild von sich selbst nahezu ganzheitlich.

Die Selbst- und Fremdwahrnehmung ist das Problem unserer Gesellschaft.

Die Generation Ellenbogen hat Persönlichkeiten entstehen lassen, welche nie das Ganze an sich betrachten, sondern einzig und allein den eigenen Standpunkt, das eigene Empfinden, das eigene Erleben, völlig losgelöst und oft Meilen von den Empfindungen des Gegenübers entfernt.

Nehmen wir hier die Reportage von Günter Wallraff, an welche sich mein heutiger Blog anlehnt, als Beispiel:

man kann die Pflegekraft und die ihr angetraute Patientin in einer sogenannten Impulsentschärfungsübung durch Bewegung beobachten. Erklärt wird es durch eine schriftliche Stellungnahme der Klinik im typischen Amtsdeutsch. In diesem Statement wird die von einer Kamera tatsächlich stattfindende „Behandlung“ als nicht existent erklärt. Die Klinik versucht die Situation als schlichtweg nicht stattgefunden zu erklären. Der tatsächlich erbrachte Beweis durch das Wallraff Team wird ignoriert.

Ignorieren: das Thema unserer Gesellschaft, unserer Lebensart.

Und: es funktioniert. Ignoranz schüchtert ein, beklemmt den Gegenakteur in seiner Handlung und in seiner Vorgehensweise.

Nehmen wir unsere sozialen Medien. Aus einem Spiegelbild und dessen Präsentation auf dem digitalen World Wide Web Teller ist eine anonyme Gemeinschaft des Teilens geworden. Selten noch untermauern wir unsere von anderen vorgegebenen Thesen mit eigens kreierten Worten.

Was andere tun, kann uns nicht schaden. Wir ersticken Individualität im schwammigen Einheitsmoloch unserer glattgebügelten Standardverhaltensweisen.

In unseren Psychiatrieeinrichtungen befinden sich immer mehr VERHALTENSAUFFÄLLIGE, welche in einer angst- und Schubladen freieren Gesellschaft völlige „Normalos“ wären. Es würde keiner Aufnahme bedürfen.

Aber durch unsere tägliche Reizüberflutung sind wir resistent geworden, resistent gegenüber jeglicher Menschlichkeit an sich. Während wir immer mehr Splatterfilme aufsuchten, in welchen im 5 Minutentakt Köpfe, Gedärme und Gliedmaßen spritzend durch die Gegend fliegen, sind wir im wahren Leben von einem kleinen Problem des Kindes, der Geschwister oder Freund völlig überfordert.

Wir können dieses Schema durch alle Sparten unseres täglichen Lebens ziehen und überall werden wir fündig werden.

Während Indien über Jahrzehnte hinweg durchgehend dafür kämpft nach und nach das fest verwurzelte Kastensystem aufzulösen, haben wir sozusagen dafür einen Antrag gestellt es für uns zu beanspruchen.

Unterschiedliche Charaktere zu akzeptieren und die Herausforderung darin zu sehen auch unangenehme und nicht so einfach gestrickte Situationen zu meistern wird uns gänzlich fremder.

So kommen immer mehr vermeintliche Pflegekräfte in den Kliniken und Heimen unter, da hier eben eine enorm große Nachfrage entstanden ist. Im privaten Bereich sind sie kurzum bei kleinsten Konflikten überfordert, während sie in den Einrichtungen der Pol sind, welcher die „Auffälligen“ auffangen soll. Sie ummanteln mit fachmännischer Perfektion. Das ist die Anforderung. Das sind die Stellungnahmen besagter Kliniken. Während morgens die nächste Anzeige geschaltet wird, worin dringend fachmännisches Personal gesucht wird, stellt man sich abends der Presse mit der Aussage immer genügend davon im Haus zu haben.

Und jetzt kommen wir zu dem Teufelskreis: zuhause in der Familie und im Freundeskreis, sowie den meisten Arbeitsplätzen grenzen wir Personen mit Verhaltensauffälligkeiten aus, möchten sie schnellstmöglich loswerden und zeitgleich produzieren wir immer mehr krankmachende Räume und Bereiche, in welchen, so schizophren und widersprüchlich das klingen mag, wir zur Heilung und Gesundung kranke Menschen unterbringen.

Immer mehr junge Menschen konfrontieren sich nicht mehr mit sich selbst. Sie sind fast von Geburt an täglichen Fluten von Außenreizen ausgesetzt, welche sie besser verarbeiten können, als ihre eigenen körperlichen und geistigen Reaktionen und Emotionen.

Nehmen wir Konfliktgespräche und hitzige Diskussionen. Was vor ein paar Jahren noch als völlig normal empfunden wurde, wird jetzt schon nach wenigen Minuten als Belastung und negative Situation wahrgenommen.

Wenn ich heute mit Schwindelpatienten spreche, bekomme ich zu 99% dieselbe Antwort: sie müssen sich ablenken, ansonsten droht ihnen die Ohnmacht. Frage ich nach, wann sie das letzte Mal ohnmächtig geworden sind, antworten sie mir mit den Worten NOCH NIE.

OHNMACHT ist ein Wort, welches unser Gefühl gegenüber dem Leben perfekt wiederspiegelt.

Risiko und Mut finden wir oft nur bei Extremsportlern und Lebenskünstlern. Wobei würde man rational an die Sache rangehen, müsste man all diese Typen sofort allesamt wegsperren und fixieren.

Gott sei Dank ist dem nicht so, und dennoch fixieren wir Menschen in Kliniken viel zu schnell und aus nicht ausreichenden Gründen, weil uns ihr unkoordiniertes und in unserer Wahrnehmung unkontrolliertes Geschrei überfordert. Wir verabreichen Medikamente wie harmlose Bonbons. Sind uns nicht im geringsten bewusst darüber, was für enorme Auswirkungen und Spätfolgen diese Medikation haben wird.

Jeder einzelne von uns hat an jedem neuen Tag erneut die Möglichkeit aus diesem Zug auszusteigen. Es gibt kein Recht und kein Gesetz kranke oder schwache Menschen zu demütigen, nur weil man selbst mit dem eigenen Leben überfordert ist. In einem Dienstleistungsberuf stehe ich in der Pflicht im Interesse und zum Wohl des Gastes zu handen

Wir benötigen wieder eine Moral und eine Wertigkeit. Dies wird kommen, schneller als es vermuten lässt. Schon allein, dass du lieber Leser bis hierher meinen Worten Aufmerksamkeit geschenkt hast, bedeutet, dass du interessiert daran bist deinem Leben mehr Tiefe und mehr Bewusstsein zu schenken.

Wir alle besitzen ihn, diesen Schweinehund, welcher uns täglich versucht eins auszuwischen. Ihn gilt es die kalte Schulter zu zeigen. Wenn du jetzt dem nächsten Menschen begegnest versuch dir bewusst zu machen, dass er es genau wie du selbst verdient hat ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Und das was du selbst für dich tust, was du selbst dir wert bist, das wird sich in deinem Verhalten ihm gegenüber wiederspiegeln.

Diese Undercover-Reportage von Günter Wallraff offeriert uns das Spiegelbild und Schlagwort unserer Gesellschaft.

KONTROVERS

Während unser Hygienewahn fast unsere Umwelt und unsere Gesundheit killt, werden wir andererseits immer schmuddeliger und verwahrloster.

Wir begegnen uns in 90% aller Fälle mit einer Lebenslüge. Oder wann habt ihr eurer Bekannten von früher das letzte Mal erzählt, was wirklich bei euch los ist, als sie nach eurem Befinden und der Karriere eure Kinder fragte.

Und gleichzeitig schüttet ihr euren Freunden gegenüber all den Müll aus, welcher sich tagtäglich aus oben beschriebenen Gründen bei euch ansammelt.

Ein gigantisches Beispiel aus meinem eigenen Leben: ich selbst mittlerweile fast 52 Jahre jung, körperlich schon mittlerweile etwas gehandicapt, bewege mich meinen körperlichen Kapazitäten angepasst äußerst gerne. Ich kommuniziere gerne, arbeite gerne, helfe gerne und lache gerne. Nie oder zumindest äußerst selten fühle ich mich von Menschen oder Situationen überfordert. Ich bin definitiv nicht ausgelastet und trotzdem bekomme ich fast täglich dieselben Worte zu hören. „Das kannst du doch nicht auch noch machen. Das musst du nicht auch noch tun. Das soll jemand anders machen, und so weiter, und so fort.“ Meist ausgesprochene Worte von Menschen, welche körperliche Arbeit und gesellschaftlich motivierte Gespräche so ausgeprägt meiden wie der Fisch die trockene Erde. Oft selbst komplexbeladen und nahezu unfähig sich selbst wahrzunehmen.

Mein ganz persönliches Geheimnis für mein tägliches Lebensglück ist sehr einfach erklärt. Ich sehe den ganzen Facettenreichtum unserer Erdbevölkerung und suche mir somit immer wieder zufriedenstellenden Ausgleich zu schweren Situationen und Menschen. So verlieren negative Punkte an Gewicht und positive Punkte gewinnen an Bedeutung.

Empfindungen und Gefühle, welche mich belasten akzeptiere ich nicht als Zustand meines Daseins und bisher konnte ich so all die kleinen Psychoticks, welche mir mein Kopf und Verstand zu zuschanzen versuchte, austricksen.

Habt Mut zur Ohnmacht und lasst diese ständige Körper- und Geistkontrolle los. Es macht euch zu einem wahrlich lebensfrohen und freien Menschen mit Emotionen und Gefühlen wie sie sein dürfen und sollen.

Schreit euch euren Schwindel und Frust aus eurem Körper. Liebt euch selbst ohne Hemmungen und Scham. Ihr dürft das. Und ihr dürft emotional und heftig diskutieren, eure Stimme auch mal erheben. Laut hinausbrüllen.

Man wird euch als aggressiv, boshaft, zornig, affektiv, impulsiv, ADHS-ähnlich bezeichnen. Na und. Ihr lebt.

Euer Gegenüber ist schon im Kokon der großen Industrie eingewickelt, in der Hoffnung irgendwann zu entpuppen und als ein prächtiger Schmetterling über die Blumen und Felder zu flattern. Würden wir alle den Lobbiesten folgen, gäbe es bei der Entpuppung keine Wiesen und Pflanzen mehr.

Nur wir mit unserer ganzen Kraft des Menschseins, welches manchmal sehr laut und manchmal sehr leise ist, sind dazu befähigt Algorithmen auszuhebeln und unserem Freigeist den ganzen gewaltigen Raum des Lebens zu schenken.

Beginnt hier und jetzt damit. Löst euch von Gesellschaftsmustern und beginnt wieder zu leben.

Habt keine Angst an friedlichen Demonstrationen zum Klimaschutz teilzunehmen. Dies stellt keine Straftat dar und kommt auch nicht in den 20 Uhr News.

Wenn ihr die Massenschlachtung der Tiere als so grauenhaft empfindet, dann lebt vegetarisch oder vegan.

Wenn eure Haut keinen Säureschutzmantel mehr aufweist, dann stoppt das tägliche 2 x duschen.

Wenn eure Wohnung einem Museum gleicht, wo ihr euch selbst auch nur bedingt Bewegungsfreiheit einräumt, dann stoppt den Putzwahn.

Lenkt euch nicht mehr ab, sucht euch keine dauerhafte Hardcore Hobbies, sondern beschäftigt euch ausschließlich mal mit euch selbst. Nehmt euch wahr ohne Handy, TV, Radio und PC.

Nur wenn NORMALE Menschen wieder laut und mutig werden, werden unsere Kranken und mit „Störungen“ behaftete Menschen wieder gesund.

Ich wünsch euch eine wunderbare Zeit. Genießt sie. Das Leben ist enorm kurz und möchte ausgiebig gelebt werden, denn nur so lohnt sich der Tod.

Bis bald

Eure Sue Freund

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Autor: Sue Freund

I am simply happy

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