Schuldfrage

Thema „Schuldfrage“

Gibt es eigentlich spannendere Mythen als all jene, welche sich um das Thema Schuld ranken. Ja ich denke schon, aber trotzallem möchte ich mich heute diesem Kontext widmen. 

Ich bin rein mathematisch nicht dazu in der Lage zusammen zu fassen, wie oft wir in unserem Leben mit dem Wort Schuld viele weitaus wertvollere Wörter ersetzen. Einfach aus Nichtwissen, aus dem Unbewussten heraus, oder rein aus Oberflächlichkeit. Zu schnell beschießen wir unser Gegenüber, und in den Selbstfindungsphasen auch uns selbst mit dem Ausdruck Schuld.

„Es ist ganz allein deine Schuld, dass das jetzt passiert.“;

 „Ja, ja ich weiß ich bin wieder Schuld wie immer. War ja klar.“;

„Denkst du etwa, es war meine Schuld, dass unser Sohn/Tochter/Vater/Mutter etc. so handelt?“;

 Ich bin auf keinen Fall Schuld an dieser Situation, das sag ich dir!“

………….

Gehen wir folgendermaßen vor und nehmen diese Sätze um sie nur leicht abzuändern.

Für          „ES IST GANZ ALLEIN DEINE SCHULD, DASS DAS JETZT PASSIERT.“

Warum das jetzt passiert; Darüber sollten wir uns baldmöglichst Gedanken machen, um der Ursache auf den Grund gehen zu können.

Und so wird plötzlich aus einem frontalen Angriff ein offene Bitte um Klärung einer schwierigen Situation. Wohlgemerkt bezüglich der Situation und nicht die Person an sich sollte abgehandelt werden.

Sehr beliebt und ziemlich weit oben steht aber auch der Satz:

“ JA, JA ICH WEIß, ICH BIN WIEDER SCHULD, WIE IMMER. WAR JA KLAR“.

Woher rührt dieser Ausspruch, und warum wird er so oft benutzt? Wie fühlt man sich als Gegenüber, wenn man nicht der Aussprechende ist?

Hört bezüglich dieses Satzes mal kurz in euch hinein. Dies funktioniert einfacher, wenn ihr euch eure Tochter/Sohn/Partner etc. dabei vorzustellt, wenn die/derjenige diesen Satz gerade ausspricht.

Nach Ausspruch dieses Satzes fühlt man sich oft machtlos und in seinem Redefluss gehemmt, weil es sich anfühlt, als wenn derjenige vorgreift und man etwas, was man eigentlich noch sagen wollte, zu blockieren.

Alle Menschen, welche sich mit einer Situation, einer Person konfrontiert fühlen, stellten bereits in jungen Jahren fest, dass, wenn sie diesen Satz aussprechen, sie eine mit der Sekunde weit bessere Ausgangssituation für das Gespräch innehaben. 

Nur eine geschulte Pädagogin, ein sich mit dem Thema befassender Psychologe oder wenige andere Personen werden unbeirrt ihre Ansprache weiterführen.

Der Großteil der Menschen kommt jedoch vom Thema ab, um seinem Gegenüber zu erklären, dass er dies doch so nicht gemeint hätte, und die Frage stellen, wer den von Schuld gesprochen hätte. Es spreche doch keiner von Schuld, und um das Thema Schuld gehe es doch gar nicht.

Und schwupp ohne es zu merken setzt sich die Person so sehr mit dem Thema „Schuld“ auseinander, dass die eigentliche Thematik, um welche es ursprünglich ging, oft unter den Tisch fällt, oder nicht mehr sachlich, sowie ohne große Emotionen besprochen werden kann.

So viel Macht steckt in einzelnen Wörtern unserer Sprache. Mit nur einem Wort ist es möglich ganze Unterhaltungen im Keim zu ersticken, wenn man nicht gewillt ist diese weiterhin zu führen.

Ein guter Trick um mit solchen Situationen und der damit aufkommenden Schulfrage umzugehen -da sind wir im Medienzeitalter ja klar im Vorteil- ist folgender:

wenn euch etwas heikles am Herzen liegt, welches euch aber als so wichtig erscheint, dass ihr es gerne mit der betreffenden Person besprochen hättet, so teilt es demjenigen höflich und gut verständlich formuliert per email, SMS, etc. vorab mit. So haben beide Gesprächspartner Zeit eventuell hochkommende Emotionen zu filtern und diese zumindest etwas einzudämmen, bevor es zu einem persönlichen Gespräch kommt.

Wer Lust hat kann gerne mal diese kleine Aufgabe ausführen. Geht mal eine Woche lang mit einem Stift und einem Zettel durchs Leben, und jedes Mal, wenn ihr selbst, oder jemand in eurem Umkreis (incl. TV, Radio, Zeitung) von Schuld spricht, oder nur das Wort erwähnt, macht einen Strich oder ein Kreuz oder Kringel oder was auch immer. Überlegt dabei, ob es zu diesem Zeitpunkt auch eine andere Wortwahl möglich gewesen wäre, welches „SCHULD“ ersetzen hätte können.

Wenn wir in der Reifephase unseres Lebens (zwischen 30 u. 50) damit beginnen uns, unsere Gefühle, unser Denken und unser Handeln zu erkunden, werden wir feststellen, dass wir eigentlich fast komplett ohne dieses Wort und dessen Bedeutung klar kommen könnten. Ob wir das wollen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber schon allein das Bewusstsein, dass wir es reduzieren könnten, und damit weitaus friedlicher, glücklich und ballastfreier leben würden, ist schon sehr viel wert.

Natürlich gibt es nicht immer und zu 1000% einen Ersatz für das Wort Schuld, darum geht es auch gar nicht, etwas grundsätzlich in Frage zu stellen. Es geht um unseren Alltag, um unsere Denk, Gefühls- und Handlungsweise unseren Mitmenschen gegenüber.

Meist sind es Personen aus unserem nahen Umfeld, welche uns gut gesinnt sind. Oft auch sehr eng verbundene, von uns geliebte und uns ebenfalls liebende Menschen. Und dennoch handeln wir oft das Thema Schuld mehr ab, als den eigentlichen Grund der Debatte.

Durch bewusstes Denken und Handeln lässt es sich sehr einschränken und wir schenken so positiven und wertvolleren Wörten und Sätzen mehr Raum.

In diesem Sinne euch allen einen wunderschönen Tag.

Rückevolution der Menschlichkeit

Auffallen oder Anpassen, das ist hier die Frage

Wie ist die Welt, in der wir leben, gestrickt?

Können wir situationsbezogen handeln und sprechen, oder stigmatisieren wir uns damit selbst bis in alle Ewigkeit?

Hören wir doch jetzt mal kurz in uns hinein, und holen wir uns z.B. den Lehrer unseres Sohnes oder unserer Tochter ins Gedächtnis. Falls ihr keine Kinder habt, nehmt einen Kollegen oder einen Lehrer aus eurer Schulzeit. Nehmt euch einen Stift und schreibt diesen Namen sicherheitshalber auf, nur um euch nicht selbst zu veräppeln.

Was kommt euch spontan in Bezug zu dieser Person als erstes in den Sinn?

Schreibt es in kurzen Stichpunkten zum Namen.
Jetzt gehen wir weiter zu einem Familienmitglied von euch. Wer fällt euch als erstes ein? Schreibt den Namen auf das Papier und wiederum, was euch spontan zu dieser Person in den Kopf schießt.
Lest das Geschriebene kurz, und legt es wieder beiseite.

Dieses Spiel könnt ihr nur einmal spielen, denn wenn ihr es wiederholt, werdet ihr bereits beginnen euch selbst zu manipulieren.

 Und jetzt werdet ihr sehen, wie ihr andere Menschen um euch be-, und/oder verurteilt, oder ob ihr vielleicht doch eine unvoreingenommene Person seid. Habt ihr den Lehrer aufs Papier gebracht, welcher euch in guter Erinnerung ist, und habt ihr etwas Positives bezüglich dieser Person geschrieben? Dasselbe mit dem Familienmitglied?

Fallen beide Tests positiv aus, so beurteilt ihr Personen situationsbezogen und nicht grundsätzlich. Ein sturer Bock kann nämlich durchaus in bestimmten Situationen ein wunderbarer, liebenswerter und höflicher Mensch sein.

Fällt der erste Test positiv aus, und der zweite negativ, orientiert ihr euch mehr nach eurer Außenwelt als nach eurer Familie. Umgekehrt, seid ihr mehr auf eure Familie fixiert als auf Bekannte, Kollegen etc.

Fallen beide Tests negativ aus, rührt das daher, dass ihr euch als Person und somit eure Verhaltensweisen schon zu sehr an diese Stigmatisierungsgesellschaft angepasst habt.

Wie sollt ihr das verstehen?

In unserer Welt urteilen wir nur noch selten situationsbezogen, sondern wir neigen dazu meist die gesamte Person an sich zu bewerten.

Stellt euch folgende Situation vor:

Euer Kind kommt in eine neue Klasse, und wie üblich stellt ihr ihm mittags direkt nach Ankunft zu Hause die Frage, wie es denn in der Schule gewesen sei. Das Kind erzählt meist sehr oberflächlich, und nur ab und an etwas genauer. Nämlich genau dann, wenn es ein Ereignis gab, welches ihm in negativer Erinnerung (positive Ereignisse schaffen es im Gedächtnis oft nicht, bis die Kinder nach Hause kommen, weil wissenschaftlichen Errechnungen zugrunde während eines Tages weitaus mehr positive als negative Ereignisse stattfinden) blieb.

Nun folgt etwas sehr Spannendes:
für gewöhnlich nehmen wir dieses Ereignis natürlich auch negativ wahr, und pflanzen es genau mit dieser Empfindung in unser Gehirn und somit in unsere Erinnerung.

Wenn wir nun eines Tages dieser Person begegnen, oder mit anderen Eltern über sie sprechen, -völlig unabhängig davon wie viele positive Ereignisse diesem einen negativen gefolgt sind-, werden wir viel zu leicht dazu neigen, sie auf Grund des zuerst Erlebten zu stigmatisieren.

Dies muss nicht sein, wenn wir nur eine Mikrokleinigkeit in unserem Denken und Fühlen verändern, nämlich unser Bewusstsein.

Wir sollten uns zu jedem Zeitpunkt, in welchem wir Kontakt zu Mitmenschen haben, bewusst darüber werden, dass all diese Weggefährten eins zu eins dasselbe „up and down“ Dasein führen wie wir selbst. Niemand schreitet geradewegs und ohne jegliche Gemütsschwankungen durchs Leben.

All diese einzigartigen Lebewesen, welche über die Zeit euren Weg kreuzen, begegnen euch nicht ohne Grund. Sie sind da, um euch dabei zu unterstützen, euch selbst näher zu kommen, sowie mehr an euch selbst zu glauben. Sobald ihr das schafft, werdet ihr feststellen, dass euch nahezu niemand und nichts mehr tief verletzen kann. Schlichtweg, weil ihr selbst es nicht zulasst.

Diese kleine Einführung soll dem Leser meines Blogs ein kleiner Leitfaden sein, wenn ich auf meiner Reise sehr oft von all den negativen Emotionen und Begegnungen spreche, welche über viele, viele lange Jahre und natürlich ab und zu auch heute noch mein Leben tangieren. Im Hier und Jetzt kann ich sie filtern und zuordnen, und somit erheblich eindämmen und kontrollieren. Nach wie vor nicht immer aber zunehmend öfter.

Liebe Weggefährten da draußen, ihr, denen ich Zeit meines Daseins bis jetzt begegnet bin und noch begegnen werde. Hier werde ich niemanden anprangern oder stigmatisieren. Ganz im Gegenteil: War doch jede einzelne Begegnung, Bekanntschaft und auch Freundschaft unheimlich wichtig auf meinem Pfad zu mir selbst und zu meiner inneren Ruhe.

Bei dem Test, welchen ich hier anbiete, kann man feststellen, ob man wie automatisiert agiert, oder ob man noch eigenständig denkt, fühlt und handelt. Ich hatte diese kleine Übung in den letzten Jahren mit vielen meiner Klienten gemacht und es kamen erstaunliche Ergebnisse dabei raus. Teilweise waren Personen so erstaunt über ihr eigenes Denken und Handeln, dass sie bereits nach dieser kleinen Übung begannen umzudenken.

Eigenen negativen Worte selbst zu lesen, lässt viele aufwachen. Vor allem bei den Babyboomern war zu beobachten, dass Mutter oder Vater jener oft nicht sonderlich positiv abschnitten.

Wir lesen uns.

Eure

Sue Freund