Shopping/Schnäppchen

          Shopping / Schnäppchen – der tägliche Konsumwahn unserer Gesellschaft

Dieser schon vor ein paar Jahren auf meiner alten Bloggerseite verfasste Beitrag ist ein kleines Sammelsurium aus Ereignissen, welche ich in den letzten Jahren und natürlich auch aktuell noch immer so miterleben durfte und darf. Manche von ihnen regten mich zum Nachdenken oder sogar Umdenken an und andere wiederum schafften es schon Anfangs nicht, mich in ihren Bann zu ziehen. Meinen Erfahrungen zufolge geht mein Konsumverhalten nun schon seit geraumer Zeit immer mehr weg von Überangebot und immer mehr hin zu kleinen, gut sortierten und überschaubaren Läden, sowie Onlineshops. Vertriebe wo Nachhaltigkeit und Sinn dahintersteckt. Nun beschäftige ich mich vielmehr mit dem: wo kommt das Produkt her, wie wird es hergestellt und/oder verarbeitet und wer genau verdient daran. Es gibt so wunderbar toll aufgemachte Seiten, welche mit Liebe designt sind, wo die Einnahmen und Gewinne Menschen glücklich machen, welche wirklich auch etwas Gutes tun. Wenn ich heute schenke, denke ich bewusst darüber nach, was genau und versuche immer etwas upzucyceln und selbst zu kreieren.

Ich persönlich habe zwei wunderbare Kinder, welche wie man so schön zu sagen pflegt bereits „aus dem Gröbsten“ raus sind. Meine Tochter ist mittlerweile 22, schon unheimlich klardenkend für ihr junges Alter und lebte ein paar Jahre wie viele junge Damen zwischen 16 und 20, ihren eigenen Shoppingwahnsinn. Mein Sohn 16, ist cool und driftete von Anfang an nicht jedem Trend hinterher. Ich bin somit Gott sei Dank fein raus.

Natürlich muss auch ich mir von meinen Kids, wenn sie die alten Fotos betrachten – anhören, wie ich ihnen das nur antun konnte, sie so kleiden. Dabei empfand ich mich damals als die absolute Styler-Mom. Ich dachte, ich bin in Sachen Klamotten für meine Kinder perfekt organisiert.

War auch immer bei all den namhaften Ketten einkaufen, so dass ich sicher gehen konnte, dass Elisabeth und Max den selben Pulli tragen würden. Es war mir einfach völlig rille, da es für mich schlichtweg nur pflegeleicht und gut tragbar sein musste. Wenn es dann auch noch nach meinem Ermessen schick aussah, war ich rundum zufrieden. Mehr Ansprüche hatte ich an die Garderobe meiner Kinder nicht, da sie noch zu dieser Gruppe Nachwuchs gehörten, welche jeden einzelnen Tag völlig schmutzig und klebrig nach Hause kamen. Ja sie hatten Spaß und waren immer draußen. Da wurde auch schon mal ein Loch in der Jeans mit Stoffresten oder Badges geflickt. Dieses Denken, dass man es ja wegwerfen konnte, weil ja alles eh so günstig ist und man ja gleich ein neues Teil erwerben könnte, hatte ich Gott sei Dank nie. Mir ging es nie um den Preis sondern immer darum, dass je weniger ich von diesen Produkten konsumieren würde, je weniger müssten nachproduziert werden.

An den Gesichtern vieler Mamis war klar zu erkennen, dass sie nicht die gleiche Einstellung teilten. Sie wollten einzigartig sein, verbrachten bestimmt Stunden in den benannten Läden um aus der hintersten Ecke einen Pulli hervorzukramen, von welchem sie annahmen, er wäre ein Unikat auf dem Markt.

Meist reagierten jene Muttis dann bei einer Begegnung mit genau gleichem Outfit nicht entspannt mit einem: „Naja dann ist das eben so. Is ja auch nicht so tragisch, wenn meine 3-jährige Tochter den gleichen Pulli trägt wie Lisa vom Kindergarten um die Ecke“.
Nein, leider weit gefehlt. Da kamen die wildesten Ausreden und Begründungen zu Tage. Vom feinsten kann ich euch sagen.

Ein paar meiner liebsten Beispiele:

–   “ Oh wie schön. Deine Tochter hat den gleichen Pullover. Hat sie ihn auch von ihrer Patentante bekommen. Ich fand ihn ja nicht so toll, aber meine Zuckerschnecke wollte ihn unbedingt behalten und gleich heute anziehen, weil sie ihre Patentante so liebhabe.“

– “ Ja das ist ja mal ein herrlicher Zufall. Wir scheinen genau denselben auserlesenen Geschmack zu besitzen. Als ich meinen kaufte, gab es angeblich nur noch dieses eine Teil.“

–    „Unsere kleine Maus war mit ihrem Papa gestern unterwegs. Und man kennt das ja. Männer sehen ein Geschäft, gehen rein, nehmen das Erstbeste, zahlen und haben FERTIG.“

Ein ebenfalls witziges Beispiel, noch bevor die Quantität der Pullover ans Tageslicht kam:

–   “ Du kannst dir nicht vorstellen, wie lange ich gestern durch all die tollen Kinderboutiquen gestreift bin, bis ich diesen wirklich einmaligen Pullover fand.“

Nach dem Erblicken des Pulli-Zwillings verließ man mit einer Gesichtsfarbe, gleich eine sehr reifen Tomate, eiligst den Raum.

Ende der 90er und um die Jahrtausendwende herum, stand der Kopier-Boom in den Kinderschuhen. Die Fitschimärkte jenseits der nahegelegenen tschechischen Grenze schossen wie Pilze aus dem Boden.

Ich erinnere mich noch sehr genau an eine meiner wenigen Begegnungen mit diesen Vertreibern. Meine Patentante aus Köln war zu Besuch und wir fuhren über die Grenze, nur um  den Kofferraum mit Adidas, Nike, und was weiß ich noch was für Plagiaten, vollzustopfen.

Ich glaube, sie ergatterte voller Stolz – mit einer unheimlichen Geduld (ohne Geduld, ein starkes Immunsystem und einem gewissen Hang zum Wahnsinn überlebt man keinen tschechischen Markt) beim Handeln –  so um die 25 T-Shirts für ihre Söhne zu einem verhältnismäßig annehmbaren Preis.

Natürlich sprang auch das ein oder andere Pullöverchen für meine Tochter dabei raus. Es handelte sich damals um ein gelbes und ein rotes Diddl-Sweatshirt. Ich muss hier löblich erwähnen, dass sie diese beiden Kleidungsstücke wirklich über Jahre zu Hause als Kuschelpullis getragen hatte. Also qualitätsmäßig hatte ich anscheinend wahnsinniges Glück.

Das Witzige an der ganzen Sache damals war, dass in Köln (bekanntermaßen ganz im Westen unseres wunderschönen Landes gelegen) selten jemand auf die Idee kam, dass es sich nicht um die Originale handeln könnte, da der dunkle Osten viel zu weit entfernt lag. So freuten sich Käufer wie Träger unheimlich über die günstig ergatterten Klamotten.

Wohin gegen hierzu Ort jeder dritte Bürger – mittlerweile sind es die hervorragend unauffällig kopierten Jack Wolfskin Plagiate –  beim Stadtbummel mit einigen Menschen, welchen man begegnet das durchaus amüsante Spiel:  „Meinst du die Jacke ist echt oder fake?“, spielt.

Immer wieder aufs Neue sehr aktuell ist das leidige Thema Shoppen, wenn es darum geht deinen Sprössling passend für Events einzukleiden. Hoch im Kurs stehen immer Ausflüge, Skikurse oder Schullandheimaufenthalte.

Da gibt es ja diese wunderschönen, gut durchdachten Listen der Lehrer. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie oft ich in der Vergangenheit irgendwelches unsinnige Zeugs gekauft hatte, NUR um all die angegebenen Dinge abhaken zu können. Ja und da garantiert genau zu diesen besagten Zeitpunkten nicht die geringsten Angebote zu ergattern waren, hat man für ein paar lange Unterhosen schon mal um die 30 Flocken hingeblättert. Getragen wurde sie natürlich wie viele andere schöne Utensilien in den Koffern äußerst selten oder gar überhaupt nicht. Weil uncool und so weiter…

Am liebsten hatte ich immer den Punkt „Regenfeste u. warme Kleidung“!

Halleluja, was wollen sie mir damit sagen? Konnten sie sich nicht etwas präziser ausdrücken.

Also gab es folgendes Endergebnis meiner vollkommenen Unsicherheit als Mutter dieser Stigmatisierungsgesellschaft:

Ich packte den Koffer für gerade mal 2 Eventtage so, dass mein Kind 1 Monat lang im australischen Busch damit hätte überleben können. Eben für alle Eventualitäten vorbereitet.

Denn mit Regenkleidung kann die leichte Übergangsjacke, ebenso wie die thermogewärmte Mikrofaserjacke gemeint sein. Und warme Kleidung. Wie warm? Winterwarm, Herbstwarm. Hatten Eltern bei Pädagogen nachgefragt, kam oft eine kurze, sachliche Antwort: „Na eben dem Wetter entsprechend“.

Gut gelacht, dem Wetter entsprechend.

In zwei Tagen kann bei unseren klimatischen Bedingungen mittlerweile alles passieren.  Vom Hagel über Sturm bis zum Starkregen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich leider noch kein Smartphone mit genausten Wetterprognosen von Ostern bis Weihnachten.

Schlichtweg war man kurzzeitig leicht überfordert, und packte somit alles in den Koffer was in Frage kommen könnte. Man wollte ja keinesfalls, dass das eigene Kind dann dastand und eventuell zum vollen Außenseiter der Klasse mutierte, nur weil er nicht die passenden Hausschuhe dabeihatte. Was eh in den Köpfen der eigenen Kinder stattfand, da die anderen Schuhe ja sowieso cooler als die eigenen waren.

Heute geh ich mit solch anstehenden Events natürlich ganz anders um, denn das durchaus gesunde Selbstbewusstsein meines Sohnes macht es mir überaus leicht. Da gibt es keine Liste mehr. Ich erklär ihm kurz die Sachlage und was eventuell auf ihn zukommen könnte. Dann frag ich ihn, was er denkt, was er braucht, und was er anziehen möchte und das wars. Das bereite ich dann wasch – und trockentechnisch vor und er packt selbst. Da reicht eigentlich ne Tüte, und selbst da bliebe noch Raum für Muttis letzte Überlegungen und Zweifel.

Da hätten wir noch unsere Schnäppcheneltern im Discounterrausch:

Zu der Zeit, als ich den Blog verfasste, fiel mir ein Foto auf, welches eine nette Bekannte  aus ihrem Wohnzimmerfenster heraus geknipst hatte. Es zeigte eine Menschenschlange früh morgens um 8 Uhr vor einem unserer gängigen Discounter. Einer jener, welche sich Woche für Woche mit den paar anderen namhaften Märkten einen Werbeschnäppchenkampf liefert.

Französische Wochen, wechseln sich ab mit Mexikanischen, Italienischen, Amerikanischen usw. und zwischen all den Leckereien gibt es mittlerweile unter anderem natürlich auch Kleidung und allerhand anderen immer wieder kehrenden Kram. Früher hat ja so eine Kuchenform schon mal so 20 – 30 Jahre standgehalten. Und darauf bezogen darf man nicht außeracht lassen, dass Mutti damals fast täglich Kuchen und ähnliches gebacken hatte. Wohin gegen heutzutage die Formen eher in den Schüben wie von selbst verrotten und sich in Einzelteile aufzulösen scheinen.

Und wehe es wird Herbst, dann brechen sie ein wie eine Plage. Bestimmt beim Wechsel in andere Jahreszeiten nicht anders.

Die bei Kindern wie Muttis und Papis so beliebten Matschhosen, -jacken,-schuhe und bald wahrscheinlich Ganzkörperanzüge mit Augenschlitz.

Es ist aber nicht so, dass dieser Ansturm stattfindet, weil es seit 3 Wochen durchgehend wie aus Eimern schüttet, und all die Pfützen auf den Straßen und Wegen nur darauf warten besprungen zu werden. Nein, da misst man eine Außentemperatur von wohlgemerkt um die 20° und es ist strahlender Sonnenschein. Die inzwischen so perfektionierte Wettervorhersage hat für die nächsten 5 Wochen einen Altweibersommer vorhergesagt, welcher dann wahrscheinlich ohne Übergang in einen langen kalten und trockenen Winter springt. Zwischendrin ab und an nur für Minuten anhaltender leichter Regenschauer.

EGAL!!!!  Donnerstag, 8 Uhr in Deutschland. Vor allem Mütter und von ihnen entsandte Väter, Großeltern oder ähnliches drängen in den Laden, um all die „schönen und lebensnotwendigen“  Sachen zu ergattern.

Besonders spannend zu beobachten und fast schon ein bisschen bemitleidenswert, finde ich die etwas hilflos, bereits in die Jahre gekommenen Großeltern, welche mit Zettel bewaffnet, der Verzweiflung nahe, vor den Plastikverpackungen stehen.

Und Mutti hat zur Sicherheit 3 Größen aufgeschrieben. Die welche gerade noch passt, die welche eventuell passen könnte, und die welche man unbedingt nehmen soll, wenn es die anderen beiden nicht mehr gibt. Weil sie wachsen ja rein, die Kids. Die Kids, oder eher die armen, armen Geschöpfe, welche dann bei 3 Regentropfen in viel zu große Matschklamotten gesteckt werden, um sich dann wie die Männchen aus der Michelin-Werbung durch den Tag zu schwitzen.

Liebe Eltern da draußen, natürlich ist das alles hier mit viel Witz und Ironie geschrieben, und es soll ja auch nur ein bisschen darauf hinweisen, dass man in unserer wirklich sehr gut organisierten Welt nicht immer gleich jedem Trend hinterherlaufen muss. Vielleicht tut es ja auch mal die gebrauchte von E-bay und Co. Für den 2-3maligen Gebrauch. Und glaubt mir eure Kinder danken es euch, wenn sich auch mal ohne Matschhosen schmutzig machen dürfen. Manchmal ist es sogar viel schöner, spannender und gesünder und vor allem viel günstiger in die entgegengesetzte Richtung zu laufen. Was ich mich in den letzten Jahren auch vermehrt gefragt habe, ist folgender Punkt. Muss es denn immer gleich das eigene Auto, noch dazu nagelneu, für den Sprössling (man verzeihe mir diese nicht mehr ganz zeitgemäße Genderzuweisung) sein, welcher gerade seinen Führerschein erworben hat. Ist es denn nicht vielleicht auch möglich wieder soviel Vertrauen in den Nachwuchs aufzubauen, dass man sich das Auto teilt. Ja ich weiß, beim hier lesen wohnen plötzlich ALLE weit draußen auf dem Land, haben keine flexiblen Arbeitszeiten und beide Elternteile müssen unbedingt arbeiten um den schon fast an der Armutsgrenze angesiedelten Lebensstandard zu finanzieren.

Zu Abschluss meines heutigen Blogs möchte ich mich mal bei all meinen bunten, unheimlich unterschiedlichen und wunderbar herrlich uniquen, und oft auch extrovertierten Freunden online wie im realen Leben für ihr Dasein bedanken. Denn die Tatsache, dass nicht nur einen Mann auf meiner Freundesliste habe, welcher auch ohne Auto erwerbstätig ist und voll im Leben (Saft) steht ohne als kläglicher Mensch dahin zu vegetieren. Dass nicht nur eine Familie dabei ist, welche weder 5 Autos, noch 2 begehbare Kleiderschränke mit Millionen von Klamotten besitzt und dennoch glücklich ist. Dass ich viele alleinerziehende Mamas kenne, welche auch mit nur einem Gehalt wundervolle Kinder großziehen. Dass ich Menschen auf meiner Liste habe, welche sich noch einsetzen für ärmere Völker, für Missstände auf unserer Welt, ganz einfach in dem sie dort hinfahren und real berichten, anstatt irgendwelches dummes Gedankengut von Sesselpupsern zu teilen ohne darüber nachzudenken was sie immer wieder damit lostreten, wenn sie dies tun.

Wenn ihr das nächste Mal leer seid und überlegt, jetzt muss ich etwas konsumieren, das hab ich mir verdient. Vielleicht denkt ihr ja einmal mehr nach und schenkt lieber die paar Euro einer guten Sache. Und wenn ihr euch wünscht, dass der Staat sich mehr um die Alten, Armen und Kinder kümmert, dann nehmt ihm doch Verantwortung ab, indem ihr euch wieder vermehrt um eure eigene Familie kümmert.

Ich selbst würde alles dafür geben, hätte ich eine große Familie, welche es zulassen würde, dass ich sie liebe und für sie sorge. Dennoch bin ich natürlich sehr dankbar, dass ich meinen Sohn und meinen Mann an meiner Seite habe. Sie wissen sehr zu schätzen, dass ich zwar gerne für sie da bin, aber zeitgleich es auch für sehr wichtig erachte, dass jeder von uns seinen persönlichen Frei- und Entfaltungsraum genießt.

Und falls ihr euch jetzt fragt, ob ich wohl nicht mehr konsumiere. Oh doch. Selbstverständlich, denn ohne Konsum keine Wirtschaft. Aber was ich versuche, ist darauf zu achten, wem genau ich mit meinem Konsum etwas Gutes tue und ob das was ich erwerbe auch wirklich wichtig für mein Wohlbefinden ist. Seht dazu den Spruch auf meinem dazu gehörigen Beitragsfoto.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine mit viel Liebe und Güte erfüllte Zeit mit euch selbst.

Eure Sue Freund

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Autor: Sue Freund

I am simply happy

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